Über das Genzentrum

Geschichte
Das Genzentrum wurde 1984 von Prof. Ernst Ludwig Winnacker etabliert mit der Mission, die Gentechnik in Deutschland zu etablieren und für medizinische und industrielle Zwecke zu nutzen. Zunächst war das Institut im Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried untergebracht, 1994 wurde das jetzige Gebäude auf dem neu gegründeten Großhaderner HighTechCampus bezogen, später gefolgt von der Fakultät für Chemie und Pharmazie und der Fakultät für Biologie. Von Beginn an hat das Genzentrum wissenschaftlich und organisatorisch eine Vorreiterrolle in der deutschen Forschungslandschaft gespielt. So war es das erste Institut in Deutschland, das unabhängige Nachwuchsgruppen und später tenure track Professuren eingeführt hat. Überdies war es maßgeblich daran beteiligt, München/Martinsried zu einem führenden Standort der entstehenden Biotech-Industrie zu machen. Von 2004 bis 2013 wurde das Genzentrum von Prof. Patrick Cramer geleitet, seit 2014 amtieren Eckhard Wolf als Direktor des Genzentrums und Ulrike Gaul als Direktorin des Departments Biochemie.

Gegenwart
Das Genzentrum ist eine zentrale Forschungseinrichtung der LMU München, die das gesamte Department für Biochemie, zentral geförderte Nachwuchsgruppen sowie kooptierte Mitglieder der medizinischen und veterinärmedizinischen Fakultäten umfasst. Gegenwärtig beherbergt das Genzentrum 16 Arbeitsgruppen, davon die Hälfte Juniorgruppen, mit insgesamt 250 Mitarbeitern aus über 20 Ländern.  Die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses erfolgt auf drei Ebenen: Das Department für Biochemie bietet in Zusammenarbeit mit dem Department Chemie den dreijährigen Bachelorstudiengang Chemie/Biochemie an und richtet selbst einen zweijährigen englischsprachigen Masterstudiengang für Biochemie aus. Das Genzentrum unterhält überdies ein Doktorandenprogramm und ist an mehreren lokalen Graduiertenprogrammen (QBM, GSN, IMPRS-LS, GRK1721, mehrere SFBs) maßgeblich bzw. federführend beteiligt. 

In den letzten acht Jahren ist das Genzentrum stark gewachsen: Die Summe der eingeworbenen Drittmittel hat sich verdreifacht und die Zahl der Mitarbeiter ist von 150 auf 320 angestiegen. Im Gefolge hat sich die Forschungsleistung enorm gesteigert, gemessen an Parametern wie Veröffentlichungen in Topjournalen und Forschungspreisen. Insgesamt haben die Forscher des Genzentrums im Zeitraum zwischen 2009 und 2012 429 wissenschaftliche Artikel publiziert, davon 29 in den führenden Journalen Nature, Science und Cell.  An Gruppenleiter des Genzentrums wurden u.a. fünf EMBO Young Investigator Awards, zwei starting und vier advanced ERC grants, zwei Leibnizpreise und eine Alexander von Humboldt-Professur vergeben. 

Gegenwärtige Forschung
Der Schwerpunkt der wissenschaftlichen Arbeit des Genzentrums liegt auf einem grundlegenden Problem der Biowissenschaften, der Regulation der Genexpression auf allen Ebenen – von der Transkription von Genen in Boten-RNA im Zellkern bis zu deren Translation in Proteine im Zytoplasma. Diese Prozesse und ihre Zwischenschritte werden durch vielfältige Mechanismen kontrolliert, die im Zusammenwirken garantieren, dass die richtige Menge eines Proteins an seinen Zielort innerhalb der Zelle gelangen und dort seine Funktion ausüben kann. Am Genzentrum werden eine Reihe verschiedener biochemischer, zellulärer und genetischer Methoden eingesetzt, um diese Abläufe aufzuklären. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Strukturbiologie, zum einen die klassische Röntgenstrukturanalyse, zunehmend aber auch die Kryoelektronenmikroskopie, die zur Betrachtung sehr großer Proteinkomplexe herangezogen werden muss. Die Techniken, die zur Analyse solch großer Komplexe verwendet werden, sind außerordentlich anspruchsvoll. Weltweit gibt es nur wenige Labore, die die notwendige instrumentelle Ausstattung und methodische Expertise besitzen.

Neue Ausrichtung der Forschung
Unter Beibehaltung seiner inhaltlichen Konzentration auf das Problem der Genregulation hat das Genzentrum in den letzten Jahren begonnen, sein Forschungsportfolio in Richtung organismischer, genomischer und systemischer Ansätze zu erweitern. Neue Arbeitsgruppen in der computational und systems biology wurden angesiedelt, und die 2008 an Ulrike Gaul verliehene Alexander von Humboldt-Professur ist explizit der Entwicklung eines systembiologischen Forschungsschwerpunktes gewidmet.

Worum geht es in der Systembiologie? Organismen, Zellen und selbst einzelne biochemische Prozesse stellen komplexe multifaktorielle Systeme dar, die mit den herkömmlichen Forschungsansätzen nicht adäquat beschrieben werden können. Die Systembiologie macht sich zur Aufgabe zu ermitteln, was die relevanten Komponenten eines Systems sind und wie sie miteinander interagieren. Die Wechselwirkungen innerhalb eines Systems bestimmen dessen Verhalten bei intrinsischen wie extrinsischen Störungen und, langfristig gesehen, seine Fähigkeit zu evolvieren. Die Systembiologie stellt daher den nächsten logischen Schritt in der Entwicklung der Lebenswissenschaften und Medizin dar, mit enormem Potential für technologische und konzeptuelle Innovation.

Geplante Weiterentwicklung des Genzentrums
Diese Weiterentwicklung in der Forschung wird durch ein Bündel ineinandergreifender Maßnahmen institutionell gestützt: einen Neubau für das Forschungszentrum für Molekulare Biosysteme, BioSysM, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Genzentrum, gemeinsam finanziert vom Bund und vom Freistaat Bayern, ein bayernweites Forschungsnetzwerk zur Förderung von Nachwuchsgruppen mit systembiologischer Forschungsausrichtung (BioSysNet), und die im Rahmen der zweiten Runde der Exzellenzinitiative gegründete Graduiertenschule für quantitative Biowissenschaften (QBM). Wissenschaftler des Genzentrums sind an all diesen Initiativen federführend beteiligt.

Philosophie des Genzentrums
Alle Mitglieder des Genzentrums sind bestrebt, hervorragende Wissenschaft mit Toleranz und Humanität zu verbinden. Wir legen Wert auf flache Hierarchien, Kollegialität und Teamgeist, und sehen die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, vom Studenten und Doktoranden bis zum Postdoktoranden und jungen Gruppenleiter, sowie die Unterstützung von Frauen auf allen Stufen ihrer Karriere als zentrale Aufgaben an. Dies ist auch die Grundvoraussetzung für eine integrative Forschung, die wissenschaftliche Disziplinen und Forscher aus verschiedenen Nationen und Kulturen zusammenführt.

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